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Ortsfamilienbuch Meiningen Frühzeit

Die vorliegende Datensammlung stützt sich im Wesentlichen auf die ersten Meininger Kirchenbücher und versucht, den Zeitraum zwischen 1545 und 1738 einigermaßen abzudecken. Bislang reicht sie nur in einzelnen ausgewählten Linien darüber hinaus. Zu letzteren gehört der heimliche Stadtpatron Rudolf Baumbach, dem wir nicht zuletzt die "Hütes" verdanken.

In den fokussierten Zeitabschnitt fällt auch die Verfolgung der "Hexerey", die von 1597 bis 1685 fast ein Jahrhundert lang andauerte. Die Mehrzahl der Wahnopfer stammte zwar aus den umliegenden Dörfern; als Rekordhalter der Zauberkunst erwies sich indessen ein 64jähriger Stadtbürger und Webermeister, dessen unfreiwilligen Heimgang der -- mit freundlicher Genehmigung der Leitung der evgl. Kirchengemeinde Meiningen -- nebenstehende Ausschnitt aus dem Sterbebuch 161o-1641 ( p. 485 ) dokumentiert.

Als wäre(?) auch der Kapitalismus Teufelswerk, formierte sich just zur nämlichen Zeit in Meiningen ein erstes Kartell. Der Hofdiakon Johann Michael Weinrich berichtet in seiner umfamgreichen Abhandlung über den "Kirchen- und Schulenstaat des Fürstentums Henneberg" ( Leipzig, 172o ) durchaus applaudierend, was sich zu_ und eintrug:

"Christoph Nöth, von Saals bey der Stadt Neustadt in Francken bürthig, kam anno 1592 nach Meinungen. Und weil die Barchent-Wahre schnell stieg, daß man sie nach Franckfurth und Leipzig geführet und davor Baumwolle nebst anderen Materialien zurück gebracht, hat er mit allem Fleiß dem Handel nachgesetzet, und da er nicht lesen noch schreiben können, einen eignen Diener, Johann Stumpffen gehalten, einen wolversuchten Färber-Gesellen nahmens Jobst von Hagen, aus [ Bocholt in ] Westphalen bürthig, an sich gezogen und [ihm] jährlich über den freyen Tisch [hinaus] hundert Rthaler zu Lohn gegeben. Nachmahls zog Johann Hesselbach von Königshofen hieher, verheyrathete seine Tochter an Jobst von Hagen und machte mit ihm die erste Compagnie-Handlung. Christoph Nöth, der manchmal auf einer Messe über achtzehen hundert Gulden paares Geld gelöset hatte, wolte auch gerne bey seiner Handlung bleiben; zog daher seinen Schwager Hansen am Brönn als einen Mitmeister und der Färberey Zugethanen und oben genannten Hanß Stumpffen, der inzwischen Hanß Hübners Tochter geheyrathet hatte, an sich, machte mit ihnen die andere Compagnie und war so glücklich, daß er anno 16oo in seiner Färberey über vier tausend Stück Barchent färbete und sofort frisch verhandelte. Valentin Glümper kam aus Schweden hieher, heyrathete Hanß Hübners andere Tochter und trat mit Christoph Nöthen auch in Compagnie; ließ darneben einen guten Färber-Gesellen, Dietrich, genannt, aus Niederland kommen, um in der Färberey Jobst von Hagen gleich zu gehen, gab ihm auf ein Jahr starcken Lohn, lernete die Farbe recht von ihm und ließ ihn hernach wieder von sich. Darauff wurde von dieser Compagnie der Handel so scharff getrieben als von jener, daß sie offt in einem Jahr bey 42,ooo Stück Barchent verhandelt und wol in einem Jahr über 3oo,ooo Gulden in die Stadt gebracht. Jobst von Hagen gelangete dadurch zu gantz ungemeinem Reichthum, daß er nicht nur dasjenige grosse Revier, auf welchem jetzo [172o] Herrn Spiesens, Herrn Hänflings und das Munckische Hauß stehet, mit herrlichen Gebäuden zierete, sondern auch ein erkleckliches Legat vor die Geistlichen und Schul-Collegen sstifftete, welches noch jetzo mit rühmlichem Gedächtniß des Herrn Stiffters jährlich genossen wird. Anno 1612 wurde er in den Rath gezogen und lebte in in grosser Gunst bey jederman. ... Doch etliche Jahre vor seinem anno 164o erfolgten Ende litt der Barchent-Handel keinen geringen Stoß, da das Kipperwesen eingerissen und anno 1633 der verderbliche Krieg hiesiges Fürstenthum gantz entsetzlich verwüstete" ( a.a.0., pp. 638-64o, Fußnote ).

Für Korrekturen und Ergänzungen wäre ich sehr dankbar, wobei ich davon ausgehe, den Absender resp. die Absenderin dann im OFB auch zitieren zu dürfen, und um einen Hinweis bitte für den Fall, dass dies unerwünscht ist.

Karl-Rudolf Höhn

Quellen:

Die dürftigen Daten aus frühen Kirchenbüchern vertragen sich nicht sonderlich gut mit der von einer Datenbank geforderten Stringenz. Man muß Lücken mit Schätzwerten füllen und sich nicht selten mit bestmöglicher Plausibilität statt Gewissheit zufriedengeben.

Bei Kindstaufen sind bis 1575 kaum je Namen angegeben. Als sich das ändert, ist festzustellen, dass die übliche Vorgehensweise, fehlende Vornamen von Täuflingen durch die Patennamen zu ersetzen, durchaus nicht in allen Fällen greift.

Die Vornamen verstorbener Kinder wurden in den Meininger Kirchenbüchern quasi nach Belieben vermerkt oder nicht und erst ab 1793 regelmäßig eingetragen. Der Versuch, sie zu erschließen, kann mir vor allem dann misslungen sein, wenn eine Familie innerhalb kurzer Zeit mehrfach betroffen war.

Eine Besonderheit der Meininger Frühzeit sind die zahlreichen Bei- und Alternativnamen, die erst zu Beginn des 17. Jahrhunderts mit wenigen Ausnahmen allmählich aufgegeben wurden. So erscheint bspw. ein "Hans Mertzsch" auch als "Hans König" oder "Hans König, Mertzsch genannt". In der vorliegenden Sammlung sind diese Fälle häufig durch Doppelnamen ("König-Mertzsch") gekennzeichnet.

Ludwig Bechstein notiert in seiner Fortsetzung der Güthschen Stadtchronik ( p. 47 ), anno 17oo sei "der neu verbesserte Kalender herausgegeben" worden. Nachdem die Meininger Kirchenbücher kein Datum enthalten, das zwischen dem 18. Februar und 2. März 17oo liegt, darf davon ausgegangen werden, daß die Einführung des gregorianischen Kalenders in eben jenen Zeitraum fällt. Für die vorliegende Sammlung wurden die in den Kirchenbüchern angegebenen Datierungen wie vorgefunden übernommen.




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Fragen zu den Daten, Ergänzungen und Korrekturen bitte an:
Karl-Rudolf Höhn


Letzter Stand Ortsfamilienbuch Meiningen Frühzeit: 26.03.2026
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